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Vergesellschaftung

Kaum ein Thema ist so kontrovers wie die Vergesellschaftung, also das „Zusammenführen“ von sich fremden Tieren. Hier haben sich viele Mythen und Vorurteile etabliert, auf die ich kurz eingehen möchte.

Zunächst: Rennmäuse sind keine Menschen! Sie erkennen andere Mäuse nicht anhand ihres Aussehens oder deren Verhalten. Sie merken sich nur den Geruch! Zwei oder mehr Mäuse zusammen bilden aus ihren Eigengerüchen den sogenannten Gruppengeruch. Dieser hat sich bei den kleinen Nagern als Überlebensstrategie bewährt, keine fremde Maus (Konkurrent) kommt ihrem Klan zu nahe!  In der Haustierhaltung kann er jedoch verändert und auch schnell zerstört werden.

Beispiel 1:

Man mistet komplett aus und reinigt den Käfig. Bei vielen Mäusen reicht dies schon, damit sie ihren Gruppengeruch nicht mehr erkennen und Eigengerüche sich verändern. Daraus resultiert oft ein Kampf um das scheinbar „neue“ Revier.

Beispiel 2:

Eine Rennmaus aus der Gruppe stirbt. Der Gruppengeruch ändert sich da nur noch die übrigen Tiere da sind. Es muss sich oft eine neue Rangordnung und somit ein neuer Gruppengeruch bilden und führt oftmals zum Verjagen eines Mitgliedes. Leider kann das tödlich enden, da sie nicht flüchten können.

Die 5 Soforthilfetipps bei Streit

  • 1. Das Gehege verkleinern

  • 2. Alle Gegenstände raus, außer ein Versteck mit 2 Ausgängen

  • 3.Das Streu auf 5cm Höhe reduzieren

  • 4. Die Mäuse in eine Transprtbox setzen

  • 5. Mit Trenngitter trennen

Funktioniert einer dieser Schritte und die Tiere beruhigen sich ist darauf zu achten, dass sie einige Zeit lang in dieser Situation bleiben. Ist es weiterhin friedlich, kann man langsam die Schritte wieder rückgängig machen. Jeden Tag wieder etwas verändern, besser langsamer als zu schnell. Einrichtung, Gehegegröße um 5cm oder Streu um 5cm erweitern. Täglich nur eines. Sind die Mäuse plötzlich wieder aggressiv, dann den letzten Schritt zurück. Funktioniert keiner dieser Punkte oder ist eine Maus schon verletzt, dann bitte komplett trennen und mich kontaktieren. Ich kann die Mäuse wieder zusammen bringen oder weitere Tipps geben!



Dank dem Wissen über ihre komplexen Gemeinschaftsstrukturen können wir uns schon vorstellen wie schlimm manche Methoden für die Renner sind.

  • Einsprühen mit Deo, Einreiben mit Öl oder sonstige Hilfsmittel:

Nun zur eigentlichen Vergesellschaftung und wie ich persönlich die besten Erfolge erzielt habe:

Zwei erwachsene Tiere miteinander vergesellschaften:

1. Trenngittermethode

Die schonendste Methode für die Tiere.

Vorbereitung

Man braucht wie schon der Name verrät ein Trenngitter. Dieses sollte optimal aus einem engmaschigen Draht oder doppelter Hasendraht bestehen. (Bei zu großen Löchern können sie sich gegenseitig verletzen!) Am Einfachsten ist es das Gitter auf einem Holzrahmen zu befestigen. Das Gehege in der die Vergesellschaftung stattfinden soll, sollte nicht großer als 100cmx50cm und nicht kleiner als 60x50cm sein. Das Trenngitter wird in so der Mitte platziert, dass die Mäuse keines Falls auf die andere Seite kommen. Man kann das Trenngitter, wenn man die Maße knapp berechnet einfach ins Aquarium einklemmen. Oder man befestigt Standfüße. Beide gleichgroßen Bereiche sollten nur mit 5cm frischem Einstreu gefüllt sein. Man bietet ihnen am besten viele Küchenrollen und unbedrucktes Papier/Karton oder Äste zum Nagen an. Auch etwas Stroh und Küchenpapier zum Nestbau nicht vergessen. Einen Wassernapf, eine Flasche oder frische Gurke sollte auch zur Verfügung stehen. Sandbäder kann optional angeboten werden. Es sollten aber auf beiden Seiten identische sein. Sonst keine Einrichtung und keine Verstecke!

Ablauf

Nun dürfen die Mäuse in ihre Abteile. Gefüttert wird immer so, dass die Nahrung am Trenngitter liegt. Somit „müssen“ sie gemeinsam fressen. Nun muss man beobachten wie sie sich verhalten.

Knirschen sie mit den Zähnen? Nagen sie vehement und wild an dem Trenngitter? (Nicht zu Verwechseln mit Langweile, das ist meist etwas ruhiger) Wedeln sie mit dem Schwanz? Das sind alles Aggressionszeichen und zeigen uns, dass die beiden noch getrennt bleiben müssen.

Man tauscht die Tiere 1-2x mal täglich zwischen den Bereichen. Die ersten zwei Tage tausche ich 1x, da sie da noch oft sehr gestresst sind. Dann erhöhe ich auf 2x. Es wird immer geraten sie nie länger als 7 Tage so am Trenngitter zu lassen!

Beim Wechseln zerstören viele oft sofort das Nest der anderen Maus. Solange das passiert, dürfen die Tiere nicht zusammen gelassen werden.

Sind alle Anzeichen nicht mehr zu erkennen und wird friedlich am Trenngitter geschnuppert, kann man die Zusammenführung wagen.

Hier gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Das was wir da eigentlich gemacht haben, ist, dass wir einen Gruppengeruch künstlich erzeugt haben und sich somit die Mäuse nicht mehr fremd sind. Deswegen bin ich der Meinung die Zusammenführung im Gehege zu machen. Einfach das Trenngitter heraus nehmen und viel Verschiedenes zum Nagen und Fressen anbieten. Das ist so am stressfreisten und führt bei mir am Besten zu Erfolg.

Beim ersten Beschnuppern stellen sich viele Rennmäuse auf ihre Hinterbeine und fangen an zu boxen. Dann wird oft gejagt und eine Maus nach unten gedrückt oder bestiegen. Das alles sollte man nicht unterbrechen, da dies dazu dient die Rangfolge zu bestimmen. Normalerweise vergeht dieses Verhalten nach ein paar Stunden. Wird jedoch geknäult, also eine Kugel gebildet muss man sofort eingreifen. Am besten man nimmt dazu einen Gartenhandschuh oder ein Stück Karton. Bitte niemals so hineingreifen!

Danach sollte man die Zwei trennen und somit ist der Versuch sie zusammen zu bekommen gescheitert. Hat sich die Lage beruhigt kann man es in einer großen Badewanne auf neutralem Boden versuchen oder Punkt 3. Klappt das ebenso nicht, muss man sie dann 2 Wochen komplett trennen (ohne Riechen und Sehen) und man kann es eventuell nochmal probieren. Aber dann muss man leider neue Partner suchen.

Haben sie sich jedoch beruhigt, dann wäre wichtig, dass man sie unbedingt noch ein paar Tage ohne Einrichtung in dem Becken lässt. Jetzt tut man Tag für Tag etwas dazu (z.B. Sandbad oder noch 5cm Streu, das Gehege um 5cm vergrößern, aber bitte nur eine Sache pro Tag verändern) bis man so eingerichtet hat wie man möchte. Somit ist die Vergesellschaftung geglückt. Fangen sie irgendwann an zu streiten, wenn man etwas verändert hat, einfach wieder so lange zurück gehen bis sie sich wieder beruhigt haben.

2. Methode Einduft und Trenngitter

Vergesellschaftung Jungtier und Adulttier

Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man immer diese Konstellation probieren, da Rennmäuse etwa bis zur 10. Woche noch kaum einen Eigengeruch entwickelt haben. Somit fällt die Zusammenführung um einiges leichter.

Man setzt die junge Maus in eine Transportbox und fügt das Nest der erwachsenen Maus hinzu. So lässt man die Kleine etwa 2-3 Stunden darin gemütlich einduften. Nun riecht sie etwa  wie die Große. Zur Sicherheit (da es trotzdem leider oft sehr eigenwillige Adulttiere gibt) setze ich beide in ein frisch gemachtes Gehege mit Trenngitter. Dort können sie sich in Ruhe das erste Mal beschnuppern. Läuft das völlig friedlich ab, dann kann man sie eigentlich sofort zusammen lassen. Funktioniert das nicht, würde ich die Trenngittermethode wie oben probieren.

3. Großraummethode auf neutralem Boden „Zimmermethode“

Vorbereitung

Benötigt werden ein großer Raum und viel Zeit. Eventuell ein Badezimmer in denen die Mäuse nirgends unter der Einrichtung verschwinden können. Laufrad, großes Sandbad mit viel Platz, ein Schlafhäuschen mit zwei Eingängen und ein großes Versteck mit zwei offenen Enden dürfen nicht fehlen. Stellenweise muss man Hanfmatten unbedingt auflegen, weil der Boden sonst zu kalt ist! Man platziert alles in eine Ecke, macht das Schlafhäuschen ganz gemütlich, das Versteck lässt man eher unfein, also ohne viel Nistmaterial.

Ablauf

Die Rennmäuse werden zeitgleich und in verschiedenen Ecken laufen gelassen. Nun haben sie Zeit den Raum zu erkunden. Beim ersten Zusammentreffen wird oft wird etwas gejagt oder auch geknäuelt. Meistens aber nicht lange, denn eine Maus flüchtet panisch. Dauert das Knäuel länger als 5 Sekunden muss man mit dem Handschuh eingreifen. Normalerweise beruhigt sich das Ganze aber mit der Zeit. Wichtig ist, dass sie die ganze Zeit unter Beobachtung stehen. Wird das Verhalten aggressiver als anfangs, muss sofort abgebrochen werden. Nach etwa 2 Stunden werden die Mäuse weniger aktiv, sie jagen sich nicht mehr so lange und suchen sich einen Schlafplatz. Meistens wird anfangs noch ein Mäuschen verscheucht, aber mit Geduld schlafen beide irgendwann zusammen im Häuschen. Dies kann auch mal ein paar Stunden dauern. Wachen jedoch beide gemeinsam wieder auf reagieren sie schon ganz anders aufeinander. Viel gelassener.

Vergesellschaftung Rennmäuse

Erst wenn die Begegnung zwischen den Mäusen "flüssig" läuft, also dass beide nur kurz schnuppern und wieder weitergehen, kann man anfangen den Bereich mit Einrichtung von dem Ohne trennen. Dies macht man am besten mit einem Gitter oder einer Wand aus Spanholz/Plexiglas ect. Man beobachtet sie wieder eine Wachphase, läuft dies wieder wie gewohnt friedlich ab, setzt man beide Tiere gemeinsam mit dem Häuschen, Laufrad, Sandbad und Hanfmatten in das saubere Gehege, das sie zusammen bewohnen sollen. Normalerweise sollte auch dies ohne Probleme klappen. Somit kann man weiter verfahren wie bei einer gelungenen Zusammenführung am Trenngitter. Wenn nicht, sollte man die beiden trennen und keinen zweiten Versuch mehr starten, da diese Methode viel Stress bedeutet und zu lange dauern würde.

Warum funktioniert diese Methode so gut?

Was passiert? Das Verfahren ist zwar umständlich, aber es ist dem natürlichen Verlauf einer VG am nächsten. Die Tiere nähern sich auch dort in einem größeren Arial und können sich so langsam aneinander gewöhnen.

Bei der ersten Begegnung kristallisiert sich meistens auch ein dominanteres Tier heraus. Jetzt kommt aber der große Vorteil: Die Verfolgungsjagd dauert nicht lange, da der Jäger meistens vorher abgelenkt wird.

Er merkt entweder die schwächere Maus will wirklich flüchten oder durch die verschiedenen Hindernisse verliert sich einfach der Blickkontakt. Die Dominante wird die Ecke in dem Versorgungsbereich für sich beanspruchen und die andere Maus auch erstmals nicht herkommen lassen. Erschöpft von den vielen Eindrücken und dem Herumrennen (eventuell sogar im Laufrad) wird sich die dominante Maus im gemütlichen Häuschen schlafen legen. Die andere will es verständlicherweise auch kuschlig und schön haben. Hat das Mäuschen die Angst überwunden, kann es sich meistens dann einfach unauffällig mit ins Häuschen kuscheln. Dort wird dann kurz wild gepiept und sich gegenseitig geputzt. Manchmal dauert es noch ein bisschen aber es ist bei weitem nicht mehr aggressiv. Nur ungewohnt für beide. Es kann vorkommen, dass das nicht dominante Mäuschen, dann doch lieber in ein anderes Versteck geht. Aber spätestens beim nächsten Schlaf funktioniert es bestimmt. Ein Schläfchen zusammen ist wie ein neuer Abschnitt im Mäuseleben. Vielleicht sind sie anfangs noch bisschen forsch zueinander, aber ab jetzt sind sie schon ein kleines Team.

So liefen alle komplizierten VG's bei mir ab. Zuerst dürfen sie immer 2-3 Tage ans Trenngitter, damit die erste Begegnung friedlich ist und der Geruch der anderen Maus kennen gelernt werden kann.

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